Personal Branding mit Clubhouse? 🎧

31. Januar 2021

FĂŒr mich ging es Mitte Januar 2021 mit Clubhouse los: Plötzlich schien diese App das Hauptthema bei LinkedIn zu sein. Der Activity-Stream war voll von Clubhouse-Posts mit unisono der selben Botschaft: „Schaut her Leute, ich gehöre jetzt auch dazu und die App ist super“. Auch das gepostete Bild war ĂŒberall gleich – das eigene Clubhouse-Profil.

 


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Augenblicklich gestaltete sich der Hype um diese App, verbunden mit dem KĂŒrzel „FOMO“, was nichts anderes bedeutet als „Angst, etwa zu verpassen“ (Fear of missing out). Denn nur iPhone-Besitzer bekamen die App und das auch nur durch eine Einladung („Invite“) eines Mitglied des scheinbar elitĂ€ren Clubs. Das ging sogar so weit, dass Invites ĂŒber Ebay verkauft wurden.

 

Was ist Clubhouse?

Die App ist von der Idee her so einfach wie genial: Sie ermöglicht rein audiobasierte Unterhaltungen zwischen den Mitgliedern. Im Grunde zahlreiche Telefonkonferenzen, bei denen jeder, der mag, mithören und sich beteiligen kann.

Der Zugang ist simpel: Einmal drin darf jede:r einen Raum („Room“) eröffnen, indem sie/er sich mit anderen Interessierten trifft und zum selbstgewĂ€hlten Thema erzĂ€hlen darf, was im im Sinn steht. Wer etwas dazu sagen möchte, hebt die Hand (drĂŒckt das Hand-Symbol). Der Moderator genehmigt die Handmeldung und sofort kann der/die andere seinen Senf dazu geben. Aufnahmen sind nicht möglich, sogar verboten – alles Gesagte bleibt im virtuellen Raum, was vielen gut gefĂ€llt.

 

Welche GesprĂ€che werden gefĂŒhrt?

Wie immer in neuen Social Media Plattformen – die Leute probieren sich aus. Was funktioniert, was nicht? Macht es Spaß oder wirdÂŽs schnell langweilig?

Nach den ersten Tagen stellte ich fest, dass die QualitÀt der GesprÀche auf der Negativ- wie auch Positiv-Skala zunimmt, je nach der eigenen Beurteilung.

Interessant ist, dass man tĂ€glich Promis aus TV, Politik, Wirtschaft und Unterhaltung antrifft. Klar, dass diese RĂ€ume schnell mit ein paar tausend Leuten gefĂŒllt sind, die lauschen.

Unterhalten wird sich ĂŒber die App selbst, ĂŒber Erfahrungen als Clubhouse Moderator (spannend, wie viele „Clubhouse Moderatoren“ es mittlerweile gibt, die das stolz in ihren Profilen mit Emojis markieren). Ich habe GesprĂ€che gesehen, in denen es ĂŒber

Die Themen sind illuster, genauso die Zielgruppen. Das geht von sehr spannend ĂŒber unfassbar (wenn z.B. singenderweise die nĂ€chste amouröse Verabredung klar gemacht wird – im Telefonhörer-Sound) bis peinlich (zumindest mir).

Auch scheinbar sinnlose RĂ€ume funktionieren: RuherĂ€ume. Das sind RĂ€ume, in denen nicht gesprochen wird. Wer ein Ton sagt, fliegt sofort wieder raus. Die Idee dahinter ist es, die Profile anderer anzusehen und sich ggf. zu „connecten“. Diese RĂ€ume (oft gibt es mehrere davon) sind eigentlich immer mit ein paar hundert Leuten gefĂŒllt.

Es wird lustvoll und viel, quasi rund um die Uhr, ausprobiert und gequasselt.

 

Ist Clubhouse genial?

Kaum ein GesprÀch, indem die App nicht gelobt wird. Die Leute sind regelrecht ausgehungert nach sozialen Kontakten und das kann ich gut nachvollziehen.

Gleichzeitig weiß jeder, dass die App datenschutzmĂ€ĂŸig regelrecht kriminell ist – sie lĂ€dt sofort das komplette Telefonbuch auf die Clubhouse-Server hoch, damit man schnell Leute findet, die man schon kennt.

Verhindern kann man das nur, wenn man sich z.B. wie ich (als Android-Nutzer) ein Ă€lteres iPhone (bei mir: zuerst ein geliehenes, dann ein iPhone 7 mit 128 GB fĂŒr 75 EUR) zulegt und auf diesem nur die Telefonnummern von nur den Leuten abspeichert, die sowieso schon im Club sind oder rein wollen.

Oder man lehnt rigoros die Freigabe fĂŒrs Telefonbuch ab, das die App anscheinend akzeptiert. Danach funktioniert alles bis auf das eigene Versenden von Invites. Habe ich leider erst spĂ€ter erfahren.

Klar ist es, dass diese App fĂŒr viele ein soziales Vakuum fĂŒllt und eine schöne ErgĂ€nzung zu den vorhandenen Social Media Applikationen ist. So geht es mir auch.

Ungewöhnlich ist es, dass man ausschließlich miteinander spricht. Es gibt weder Applaus, noch Likes oder Kommentare. Auch keine In-Mails wie bei anderen Plattformen. Nein, wer etwas zu sagen hat, kann das live und in Farbe tun oder fĂŒr immer schweigen. Genau das wird von vielen als Reinigungsfaktor gesehen. Denn wer Quatsch erzĂ€hlt, wird sofort von den Moderatoren oder der Community berichtigt. Oder auch nicht.

Im Umkehrschluss bietet Clubhouse auch Chaoten oder Kriminellen eine unzensierte Plattform, auf der sie ihre Weisheiten verbreiten können. Ich bin mir nicht sicher, ob es dafĂŒr eine Aufsichtsinstanz gibt – eher nicht. Wollen wirÂŽs nicht hoffen, aber ich fĂŒrchte, wir können darauf warten.

Die Stimme ist emotional. Immer. Sie kann EmotionalitĂ€t bestens ausdrĂŒcken. Vielleicht sogar intensiver als bei Videos, denn unsere Sinne bleiben auf das Hören beschrĂ€nkt.

 

Gelungener Launch durch Verknappung und viralem Marketing (auch wenn es einen technischen Grund dafĂŒr gab)

Es war gekonnt, wie die 9 Jungs von Clubhouse die App gelauncht haben: Nur fĂŒr iOS, nur via Einladungen, nur Einladungen von vorhandenen Clubberer. Ansonsten funktioniert die App nach dem Motto: keep it simple.

Das hat zumindest in Deutschland fĂŒr den Hype gesorgt, der auf beiden Seiten (iOS und Android) gefeiert oder geĂ€chtet wird. Als Android-Nutzer bleibt es einem nur ĂŒbrig, Zaungast zu bleiben und zu warten, bis die Android-Applikation programmiert ist (Experten vermuten, dass das zwischen April und und August passiert). Genialer Marketing-Coup also. Deshalb haben beide Lager online krĂ€ftig gebrĂŒllt: suuuper, cooole App (iOS) oder „ihr seid alles Lemminge, ich brauche das nicht“ (Android).

Dass diese BeschrĂ€nkung aber einfach daran liegen können, dass das junge Start-Up den Ansturm aller Smartphone-Nutzer nicht ohne ServerabstĂŒrze oder hektisches Bugfixing ĂŒberstanden hĂ€tte, höre ich selten. Android nutzen ca. 2/3 aller smarten MobilgerĂ€te) Das scheint mir einer der wirklich relevanten GrĂŒnde zu sein.

 

Clubhouse und Personal Branding

Endlich zum Thema, meinem Thema. Offen gestanden kann ich jetzt als Prognose, ob die App fĂŒrs eigene Personal Branding taugt, mit einem klaren JEIN beantworten.

Ja, natĂŒrlich kann ich andere auf mich und meine Dienstleistung aufmerksam machen.

Ja, das funktioniert wie ĂŒberall: durch Teilen des eigenen Experten-Wissens. So merken auch andere, dass man etwas zu bieten hat.

Ja, ich kann mich mit interessanten Talks auch in Kombination mit anderen Teilnehmern positionieren

Ja, ich kann die App nutzen, um eigene vorhandene Formate zu „verlĂ€ngern“. Beispielsweise, indem ich in diesem Artikel die Diskussion dessen in Clubhouse anbieten wĂŒrde. Oder indem Unternehmen aktuelle Produkte, Dienstleistungen, Events oder News besprechen können.

Ja, ich kann durch geschlossene RĂ€ume sogar VortrĂ€ge, Coachings oder GesprĂ€che verkaufen, indem ich Tickets fĂŒr das Zulassen zum Raum verkaufe. (Im Moment ist das durch die AGBs untersagt, aber ich bin sicher, das wird kommen)

Nein, noch sind die Reichweiten nicht besonders relevant. WennÂŽs derzeit gut lĂ€uft, sind bei diesen „Fachveranstaltungen“ 200 – 300 Leute im Raum. Selbst wenn es das 10-fache wĂ€re, wĂŒrde ein LinkedIn- oder Instagram-Post die Reichweite schnell ĂŒberflĂŒgeln.

Nein, im Moment bewegen wir uns auf Clubhouse durch die ZugangsbeschrĂ€nkungen in einer engen Blase. Die Teilnehmer haben also nichts mit einem ungefĂ€hren Querschnitt irgendeiner relevanten Gruppe zu tun. Immerhin haben schon etwa ein Viertel der Deutschen etwas ĂŒber Clubhouse gehört, aber keine 2% nutzen es bereits.

Nein, es ist kaum nachhaltig. Nachhaltigkeit kann nur erzeugt werden, wenn man permanent „drauf“ ist. Denn es dringt nichts von diesen GesprĂ€chen nach außen, da es weder eine Aufnahmefunktion noch die Erlaubnis der Appbetreiber dazu gibt.

Nein, Google findet weder Themen, noch Clubhouse-Stars oder GesprĂ€che. Alles bleibt in der App. Das hindert mich im Moment, großes Engagement zu zeigen, da viele meiner Kunden den Weg zu mir ĂŒber die Suchmaschinen finden.

Nein, solange nichts dem DSGVO entspricht und nur iOS-User dabei sind, lohnt sich Clubhouse bestenfalls als Spielwiese.

Nein, denn das Start-up wird irgendwann auch mal Geld damit verdienen wollen. Ich vermute, das wird durch ein Abosystem funktionieren. Wer bezahlt, hat die volle FunktionalitÀt (RÀume eröffnen etc.) und wer nicht, bleibt passiv und wird zeitlich beschrÀnkt (Annahme!). Das wird etliche User vergraulen.

Ich werde selbst ausprobieren, was bei der Nutzung von Clubhouse passiert. Allerdings werde ich nicht zu viel Zeit in mit der App verbringen, da ich im Moment das Schreiben eines Artikels oder gute Content-Arbeit auf LinkedIn wertvoller finde.

Blick in die Glaskugel: Bleibt Clubhouse oder kann es wieder weg?

DarĂŒber kann ich im Moment nur spekulieren. Wenn ich davon ausgehe, dass der gegenwĂ€rtig anhaltende Hype ein paar Monate spĂ€ter durch die Androiden aufgefrischt wird, wird die Clubhouse-Community weltweit sehr stark. Das lĂ€uft im Moment Ă€hnlich wie zu den Anfangszeiten von Facebook.

Je mehr Leute „drin“ sind, desto mainstreamiger wird das Medium. Auch werden zwangslĂ€ufig DSGVO-, möglicherweise Regulierungsregeln und Werbung folgen, was wiederum Teilnehmer kosten wird. Irgendwann ist auch Covid unter Kontrolle und wir können uns wieder aktiv treffen und gefahrlos begegnen. Auch das macht die Nutzung der App etwas weniger interessant.

Vermutlich wird die App eine willkommene ErgĂ€nzung fĂŒr „Content Creators“ werden, die damit vorhandene BeitrĂ€ge (Posts, Videos, Podcasts) oder Events nochmals in einer spannenden Diskussionsrunde vertiefen. So macht es auch Sinn, wenn nur ein paar hundert Leute (was im Moment recht gut ist) teilnehmen. So lĂ€sst sich ein Thema nochmals anders aufbereiten und detailreich mit Experten diskutiert werden.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass renommierte (und sehr reiche) Plattformen wie Facebook, Instagram oder LinkedIn nicht auch einfach diese Audio-Funktion integrieren. In dem Fall wÀre es vermutlich schnell vorbei mit Clubhouse. Oder es wird einfach aufgekauft, wie es beispielsweise mit WhatsApp, Instagram oder Linkedin geschehen ist.

Vermutlich lĂ€uft es wie immer: Der Hype kĂŒhlt ab, es bleiben viele gelegentliche Nutzer und ein paar Fans, die sich untereinander unterhalten. Doch auch das könnte bei einer großen Anzahl an Teilnehmern spannend bleiben.

Insgesamt gefĂ€llt mir diese App und die erweiternden Möglichkeiten von echten GesprĂ€chen und Debatten gut. Ich wĂŒrde mir wĂŒnschen, dass sich Clubhouse einen festen Platz in Social Media erkĂ€mpft und bleibt. Wir werden es sehen.

Ein weiterer Erfahrungsaustausch gerne via LinkedIn, Clubhouse oder persönlich.

 

WeiterfĂŒhrende Links:

Ein umfassender Clubhouse-Knigge mit Tipps und Regeln

Eine fundierte rechtliche Betrachtung (DSGVO)

Hier noch ein Podcast mit Humor (Schröders Dienstag, hr1, 2:11 Min.)

 

 

Fotos: Screenshots aus der App und Ebay sowie ein Photo von Eddy Billard auf  Unsplash.




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